Samstag, 25. April 2015

REVOLVER LIVE! (44): MARLEN CHUZIJEW





Der russische Filmemacher Chuzijew, gebürtig aus Tiflis, geht auf die Neunzig zu und sein Werk bleibt in Deutschland zu entdecken. Bekannt geworden ist er in den 1960 Jahren als Tauwetter-Regisseur, als Künstler, der sich erlaubt hat westliche Einflüsse aufzunehmen.

Sein bekanntester Film MNJE DVADZAT LJET (ICH BIN ZWANZIG, 1965) ist eine elegante, zarte und philosophische Hommage an die Bewohner der Stadt Moskau und ihrer geliebten Metropole. Es geht um die Jugend, ihre Ideale, ihr Erwachsenwerden im Sozialismus, dessen Grenzen erforschend. Lakonische Gespräche zwischen den Generationen stehen im Zentrum. Was soll man tun? Wie leben? Stets in Gedenken an den "Grossen Vaterländischen Krieg" in dem die Väter dieser Generation im Kampf gegen Nazi-Deutschland ihr Leben verloren. 
Dokumentarisches Material wichtiger Künstler der Sowjetunion ist in die Fiktion eingewoben, wie eine riesige Dichterlesung an der Universität mit Bella Achmadulina, Bulat Okudschawa, Robert Roschdestwenskij und Jewgeni Jewtuschenko. In einer Partyszene spielt neben Andrej Kontschalowskij Andrej Tarkowskij einen vorlauten Witzemacher.

Die Slawistin und Fimhistorikerin Barbara Wurm hat Marlen Chuzijew für das goEast Festival in Wiesbaden nach Deutschland eingeladen. Dort wird er mit einer Hommage bedacht, die das Arsenal für Berlin wiederholt. Ich freue mich sehr mein Gespräch mit Chuzijew, den ich kurz auf dem Moskauer Filmfest im letzten Jahr gesprochen hatte, in Berlin weiterzuführen.

Gemeinsam mit Barbara werden wir mit dem Regisseur über sein Werk sprechen. Seine Zusammenarbeit mit der hochbegabten Kamerafrau Margareta Pilichina für MNJE DVADZAT LJET (Ich bin zwanzig, 1965), die Entdeckung Moskaus durch die Dreharbeiten und die Kürzungsauflagen, die Chuzijew an seinem Film durchführen musste, der erst 1989 in seiner ursprünglichen Form ins Kino kam. Es geht auch um die Dreharbeiten zu BYL MESJAZ MAJ, einem Antikriegsfilm, der dokumentarisches Material mit Fiktionalem mischt. Kurz vor dem 9. Mai 2015, dem russischen "Tage des Sieges", der sich dieses Jahr zum siebzigsten Mal jährt, können wir mit einem Künstler sprechen, der nicht nur den Krieg selbst, sondern alle Etappen der Erinnerung an ihn miterlebt und gestaltet hat.

Wir freuen uns!


Saskia Walker



Marlen Chuzijew (*1925) im Gespräch mit Barbara Wurm und Saskia Walker

Samstag, 2. Mai 2015

21 Uhr

Kino Arsenal 1, Institut für Film und Videokunst  (Postdamer Strasse 2, 10785 Berlin)


Vorab Filmaufführung:

BYL MESJAZ MAJ (Es war im Monat Mai, 1970)

19 Uhr

Kino Arsenal 1 



Das Kino Arsenal zeigt zur Eröffnung der Filmreihe, in Anwesenheit von Marlen Chuzijew, vorgestellt von Barbara Wurm am

FR 1. Mai 2015 um 19 Uhr MNJE DVADZAT LJET

es folgen:

So 3.5., 19.30h
WESNA NA SARETSCHNOI ULIZE  (Frühling in der Saretschnaja-Straße, UdSSR 1956)

Mo 4.5., 20h
DWA FJODORA (Die beiden Fjodors, UdSSR 1958)

Di 5.5., 20h
IJULSKI DOSHD  (Juliregen, UdSSR 1966) - Die Fortführung von MNJE DVADZAT LJET (Ich bin zwanzig, 1965)

Mi 6.5., 20h
POSLESLOWIJE  (Das Nachwort, UdSSR 1983)

Do 7.5., 19h
BESKONETSCHNOST  (Infinitas, UdSSR 1991)


(Saskia Walker)


Samstag, 7. März 2015

REVOLVER LIVE! (43): SERGEI LOZNITSA - FACING HISTORY


Von der „Vergangenheitsbewältigung” hierzulande wird oft behauptet, sie sei vorbildlich und einmalig. Sieht man einmal nur auf die Spielfilme, die in Deutschland zum Thema NS-Diktatur entstanden sind, kommt man zu einem anderen Schluss. Die stärkste Tendenz könnte man als Romantisierung der Ausnahme beschreiben. Besonders populär sind Geschichten, die den Krieg als "Schicksal" zu beschreiben, in dem alle Opfer sind. Filme die versuchen, die deutschen Verbrechen direkt zu adressieren, sind einsame Ausnahmen. 

Sergei Loznitsa, der seit 2001 in Deutschland lebt, hat sich in seinen Dokumentar- („Blockade”, „Die Vorstellung”, „Maidan") und Spielfilmen („Im Nebel”) immer wieder mit Geschichte konfrontiert. Die Vergangenheit ist für ihn „keine Schatztruhe, aus der man sich bedienen kann” sondern „Bedingung unserer Gegenwart”, die es zu verstehen gelte.

Anhand von Ausschnitten aus seinen eigenen Filmen und ausgewählten Beispielen aus der Filmgeschichte möchte ich mit ihm über die Frage diskutieren, wie man Geschichte erzählen, zeigen, filmen kann, ohne in die Fallstricke melodramatischer Personalisierung zu geraten und warum es „ohne Distanz kein Verständnis” geben kann, wie Loznitsa immer wieder betont.

Ziel ist ein offener Diskurs. Alle Filminteressierten sich herzlich eingeladen.

Ich freue mich


Christoph Hochhäusler

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SERGEI LOZNITSA – FACING HISTORY

Der Regisseur Sergei Loznitsa im Gespräch mit Christoph Hochhäusler. Mit Videobeispielen.

Am Dienstag, den 17. März 2015 um 20 h im Roten Salon der Volksbühne Berlin.

Das Gespräch wird auf Deutsch und Russisch stattfinden. Dolmetscherin: Olga Radetzkaja.

Tickets kosten 8,- Euro bzw. 6,- Euro (ermäßigt). 

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DER GAST:

Sergei Loznitsa
Geb 1964 in Baranawitschy in Weißrussland (damals Teil der UdSSR). Autor und Regisseur. Aufgewachsen größtenteils in Kiew, lebt er seit 2001 in Deutschland. Studium: Angewandte Mathematik am Polytechnischen Institut (KPI), Kiew; Filmregie an der Filmhochschule WGIK, Moskau. Filme (Auswahl): „Heute bauen wir ein Haus” (Сегодня мы построим дом, Dok. Kurzfilm, 1997), „Leben, Herbst” (Жизнь, осень, Dok. Kurzfilm, 1999), „Haltepunkt” (Полустанок, Dok. Kurzfilm 2000), „Die Siedlung” (Поселение, Dok. Langfilm, 2001), „Porträt” (Портрет, Dok. Kurzfilm, 2002), „Landschaft” (Пейзаж, Dok. Langfilm, 2003), „Die Fabrik” (Фабрика, Dok. Kurzfilm, 2004), „Blockade” (Блокада, Kurzfilm, 2005), „Artel” (Артель, Dok. Kurzfilm, 2006), „Die Vorstellung” (Представление, Dok. Langfilm, 2008), „Nordlicht” (Северный свет, Dok. Kurzfilm, 2008), „Mein Glück” (Счастье моё, Spielfilm, 2010), „Im Nebel” (В тумане, Spielfilm, 2012), „Der Brief” (Письмо, Dok. Kurzfilm, 2012), „Maidan” (Мaйдaн, Dok. Langfilm, 2014). In Vorbereitung: „Babi Yar”.


DER MODERATOR:

Christoph Hochhäusler Geb. 1972 in München. Autor, Regisseur. Revolver-Gründer und Mitherausgeber. Studium: Architektur an der TU, Berlin; Filmregie an der HFF, München. Filme (Auswahl): „Milchwald“ (2003), „Falscher Bekenner“ (2005), „Séance“ (Kurzfilm, Teil des Omnibusfilmes „Deutschland ’09“), „Unter Dir die Stadt“ (2010), „Eine Minute Dunkel“ (Teil der Trilogie „Dreileben“, zus. m. Christian Petzold und Dominik Graf, 2011), „Die Lügen der Sieger“ (2014).

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Mittwoch, 25. Februar 2015

REVOLVER LIVE! (42): DEUTSCH-FRANZÖSISCHER FILMDIALOG


Serge Bozon und Pierre Gras
im Gespräch mit Marcus Seibert und Saskia Walker

Freitag, 6. März 2015

Vorab reguläre Kinovorführung im Babylon: 18:30 „Mods“ von Serge Bozon.

Um 20 Uhr
Im Roten Salon der Volksbühne
 
Mit großem Interesse verfolgt Revolver seit Langem Filmemacher des Nachbarlands Frankreich. Serge Bozon, eine Schlüsselfigur des neuen französischen Kinos, war zuletzt in Heft 30 mit einer Streitschrift vertreten. Symptomatisch für die deutsche Aufmerksamkeit auf junge französische Filmemacher: Bozons letzter Film „Tiptop“ lief 2013 in Cannes, aber nicht in deutschen Kinos. Wir nehmen diese Lücke zum Anlass für einen deutsch-französischen Kinodialog mit Serge Bozon.



Gibt es Parallelen, Gemeinsamkeiten? Welche Wege gehen Filmemacher in den beiden Ländern, die nicht den internationalen Mainstream bedienen? Am Gespräch beteiligt ist außer Serge Bozon auch der Autor Pierre Gras, der zuletzt Leiter des ACID, der französischen Vereinigung unabhängiger Kinomacher war. Sein Buch über das deutsche Kino nach der Wende „Good Bye Fassbinder!“ ist gerade in deutscher Übersetzung erschienen. Der Drehbuchautor und Rohmer-Übersetzer Marcus Seibert moderiert mit ihm zusammen die Veranstaltung. Simultandolmetscherin ist die Filmemacherin Saskia Walker. Vor der Veranstaltung wird der Film „Mods" von Serge Bozon um 18:30 im Babylon zu sehen sein.

Wir freuen uns,
Marcus und Saskia

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BABYLON
Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin
Reguläre Kinotickets

VOLKSBÜHNE AM ROSA-LUXEMBURG-PLATZ
Linienstraße 227, 10178 Berlin
030 240655

Tickets 8,- Euro bzw. 6,- Euro (ermäßigt).