Donnerstag, 3. März 2011

THE MAN WHO KNEW TOO MUCH



Ein Thema, das sich global verkaufen lässt, eine Geschichte, die Sex, Crime und Aktualität verspricht: Hollywood verfilmt Wikileaks. Business as usual? Mit Sicherheit. Die Tatsache, dass Assange als One-Man-Show gilt, auf der Flucht vor Polizei und CIA, die seltsamen Umstände der sexuellen Anschuldigungen in Schweden, die arabischen Revolutionen, die von den Enthüllungen nicht entfacht, aber womöglich beschleunigt worden sind … all das, und natürlich die Tatsache, dass ich diese Elemente alle nennen kann, ohne nachschlagen zu müssen, sprechen für ein Unterhaltungsangebot, das weite Kreise ziehen wird. Wir alle können uns vorstellen, wie sich diese Zutaten in der bewährten Kuchenform verteilen, ja die Vorstellung hat etwas appetitanregendes. Gleichzeitig sind die Verluste der Hollywoodbehandlung vorprogrammiert. Einmal mehr werden wir ein erbauliches Märchen erleben, in dem ein Mann zu weit geht, alles zu verlieren droht, am Ende die Welt verändert hat – noch die unmittelbarste, dringlichste Gegenwart wird in den Händen der Profis warenförmig. Und weil auch Mark Boal (THE HURT LOCKER) in Konkurrenz zu dem oben verlinkten Projekt an einem Assange-Thriller arbeitet, darf man hoffen, dass die Warenform(en) avancierter sein werden als üblich. Ist das so? Oder erzähle ich gerade ein altes, linkes Märchen? Schwer zu sagen. In jedem Fall sind die Fronten nicht so klar verteilt, und waren es nie. Denn auch wenn wir uns sicher sein können, dass es Leute geben wird, die dieses Investment beschützen, und auch wenn die bewährte Formel, Geschichte auf eine persönliche Entwicklung herunterzubrechen, schwerlich erschüttert werden wird: im Gefäss der Konvention ist viel Platz. Und, auch das: die andere Seite, der „Kunstfilm”, ist vor Kitsch und Kurzschlüssen nicht gefeit – ja, die Gegenkonvention ist mindestens so zählebig. Die politische Frage des Films heißt eben längst nicht mehr (nur), wem nützt es, sondern: Wie kommt die Welt ins Bild? In dieser Verwandlungsarbeit liegt der ganze Kampf des Künstlers.



Ein Ausschnitt aus Alan J. Pakulas THE PARALLAX VIEW (USA, 1974), der von totaler Medienmanipulation träumt (der harmonische Teil erinnert in erschreckendem Ausmass an den Trailer zu Malicks neuem Film, TREE OF LIFE).


(gepostet von Christoph)

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