Dienstag, 29. März 2011

UNTER KONTROLLE



Volker Sattel, formbewusster Dokumentarist (UNTERNEHMEN PARADIES, D 2002) und Kameramann (AFTER EFFECT, Regie: Stephan Geene, D 2007), hat im Forum der Berlinale 2011 einen neuen Film vorgestellt, der - ungeachtet seiner anderen Qualitäten -  gerade einen Aktualitätsschub erfährt. UNTER KONTROLLE, der Titel deutet es bereits an, handelt von der „friedlichen Nutzung” der Atomkraft und dem epischen Bemühen, sie nicht ausser Kontrolle geraten zu lassen. Wer an Fukushima denkt, wird Sattels Geduld, sein ästhetisch-archäologisches Interesse auch, enervieren müssen, und das ist gut so. Denn die Kernenergie auf die böse Industrie und ihren dämonischen Pakt mit der Politik zu reduzieren hiesse, ihren wichtigsten Treibstoff zu unterschlagen: das Versprechen --- das utopistische Versprechen eines neuen Menschengeschlechts nämlich, das die Natur technologisch „meistert” und so alle Energieprobleme „vernünftig” löst - und den Willen zweier Generationen, diesem Versprechen zu glauben. Sattel zeigt, wie sich diese Science Fiction in die Geräte und Architekturen eingetragen hat; es ist eine alte Zukunft, die wir in seinem Film zu Gesicht bekommen, und wie alle grandiosen Entwürfe scheitert sie an der unordentlichen Wirklichkeit.


Der Film wird am 6. April 2011, um 19 h einmalig im Haus der Kulturen der Welt (Auditorium) zu sehen sein, bevor er am 26. Mai regulär startet.


Im Anschluss gibt es eine Podiumsdiskussion - mit Volker Sattel, Adrienne Goehler, Bert Rebhandl, Prof. Dr. Armin Grunwald prominent besetzt - über „die Fähigkeit des Kinos, Realität zu analysieren und sich in Prozesse des politischen und gesellschaftlichen Lebens einzuschreiben. Es bringt Zeitdokumente hervor, aber auch ästhetische Ereignisse: Die politische Dimension des Kinos umfasst auch die Frage nach der Autonomie der Bilder, ihre instabile Beziehung zu ihrem Gegenstand, und ihre historische Lebensdauer.” (Pressemitteilung Arsenal)




(Revolver-Chronik: Volker Sattel war 2006 Gast eines Revolver-Live-Abends unter der Überschrift „Dokumentarische Positionen”, zusammen mit Stefan Landorf und Gerhard Benedikt Friedl.)


(Eingestellt von Christoph)

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