Donnerstag, 24. November 2011

REVOLVER LIVE! (25) - MARIE VERMILLARD

MARIE VERMILLARD IM GESPRÄCH MIT ULRICH KÖHLER:
ERLEBEN UND ERFINDEN




Am Montag, den 5.12.2011 um 19.30 h im Roten Salon.


In französischer Sprache.
Simultanübersetzung in Deutsche: Jörg Taszman


Im Anschluss: DVD RELEASE PARTY Revolver Edition / Filmgalerie 451
„Lila Lili“ von Marie Vermillard & „Putty Hill“ von Matthew Porterfield
DJ Set von Jutojo


Eine Veranstaltung von Revolver, Zeitschrift für Film
in Zusammenarbeit mit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.


Roter Salon / Rosa-Luxemburg-Platz 10178 Berlin
Kasse: (030) 240 65 777 (täglich von 12 bis 18 Uhr)


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REVOLVER LIVE! (25)


MARIE VERMILLARD:
ERLEBEN UND ERFINDEN


Marie Vermillards Kino öffnet sich dem Leben, es vertraut auf seine Figuren, ihre Energie und ihr Geheimnis - Realismus, der sich vom Alltag überraschen lässt. Ulrich Köhler, Regisseur („Schlafkrankheit”) und Kenner ihrer Arbeit, wird sich mit der französischen Kollegin über den Verwandlungsprozess des Filmemachens unterhalten: wie aus Erfahrung Text und aus Text wieder Erfahrung werden kann.


Ziel ist ein offener Diskurs. Alle Filminteressierten
sind dazu herzlich eingeladen.




Ulrich Köhler über Marie Vermillard:


„1999 auf der Berlinale zwang mich mein Freund Urs Richter in die Akademie der Künste zu gehen und einen Film namens „Lila Lili'" zu schauen, aber er weigerte sich zu sagen, wovon er handelt. Er wusste, es wäre nahezu unmöglich, mich für einen Film über die Schwangerschaft einer Frau in einem Frauenhaus zu begeistern – zu groß war meine Skepsis gegenüber den menschelnden Sozialdramen jener Zeit. Doch „Lila Lili" änderte das schlagartig. Jede Einstellung, jede Szene überrascht. Nichts ist vorhersehbar in Marie Vermillards Film. Das Unerwartete entspringt bei ihr ganz organisch aus der inneren Logik ihrer Figuren und nicht aus einer dramaturgischen Finte. Sie spielt nicht mit der Intelligenz des Zuschauers, sie interessiert sich einfach nur für den Menschen, das fremde, verwirrende, geliebte Wesen.


„Lila Lili” ist für mich genauso epochal wie die frühen Filme Bruno Dumonts oder der Dardennes. Auch Marie Vermillard ist einem Realismus verpflichtet. Sie untersucht Alltag, aber in diesem Alltag findet sie das Singuläre, Unerwartete, Lebendige nicht Redundanz und Routine. Sie trotzt dem trägen Instrumentarium des Kinos Szenen ab, die die Leichtigkeit von Skizzen haben. Es spielt für sie keine Rolle, ob sie mit Laien oder ausgebildeten Schauspieler arbeitet - sie sucht Menschen, die sie interessieren und schafft Situationen, in denen sie sich entfalten können. Ihre Darsteller scheinen zu vergessen, dass sie spielen.


Ich weiß nicht, wie oft ich „Lila Lili“ geschaut habe - aber immer wieder, wenn ich nicht weiter wusste beim Schreiben oder mit Patrick Orth an der Auflösung eines Filmes saß, habe ich die VHS von „Lila Lili” aus dem Regal geholt.”








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DER GAST


MARIE VERMILLARD
Geboren 1954 in Tulle. Regisseurin, Autorin. Studium: Architektur, Sozialwissenschaften. Von 1979 bis 1986 Sozialpflegerin. Seit 1986 Filmarbeiten, u.a. als Skriptgirl. Seit 1992 eigene Filme. Sie lebt und arbeitet in Paris. Filme (Auswahl): „Reste” (Kurzfilm, 1992), „Quelqu'un” (Kurzfilm, 1995), „Eau Douce” (Spielfilm, 1996), „Chantal” (Kurzfilm, zus. m. ZaÏda Ghorab Volta, 1997), „Lila Lili” (Spielfilm, 1998), „Libre à tour prix” (Spielfilm, 2000), „Imago” (Spielfilm, 2001), „Petites révélations” (Spielfilm, 2006), „Suite parlée” (Spielfilm, zus. m. Joël Brisse, 2008).


ULRICH KÖHLER
Geb. 1969 in Marburg/Lahn. Regisseur und Autor. 1989 bis 1991 Kunststudium in Quimper/Frankreich, anschließend in Hamburg Philosophie und später visuelle Kommunikation an der Hochschule für bildende Künste. Filme (Auswahl): „Epoxy” (Kurzfilm, Co-Regie mit Nina Koennemann, 1996), „Starsky” (Kurzfilm, 1997), „Rakete” (Kurzfilm, 1998), „Bungalow” (2002), „Montag kommen die Fenster” (2006), „Schlafkrankheit” (2011).


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REVOLVER LIVE!


CHRONIK


(25.10.2003)
Christian Petzold: Einführung in eine innere Filmgeschichte
(14.12.2003)
Michael Haneke: Der unbestechliche Blick
(11.01. 2004)
Die Methode Seidl: Ulrich Seidl, Maria Hofstätter, Georg Friedrich, Vivian Bartsch
(28.01.2004)
Persona-Abend mit Judith Engel, Bibiana Begelau und Hinnerk Emmrich
(8.05.2004)
Romuald Karmakar: Filmarbeiter
(6.04.2005)
Angela Schanelec: Raumsprache (mit Reinhold Vorschneider)
(17.06.2005)
Neue Realistische Schule? Ade, Enders, Winckler, Voigt
(12.08.2005)
Thom Andersen: Story, History and Space: Los Angeles plays itself
(17.10.2005)
Perspektive Filmkritik: Diedrich Diederichsen, Manfred Hermes, Enno Patalas
(29.10.2005)
Berlin Sub: Filme ohne Auftrag. Hangover Ltd., b_books av, Tödliche Doris
(15.06.2006)
Dokumentarische Positionen: Gerhard Friedl, Stefan Landorf, Volker Sattel
(31.09.2006)
Ulrich Köhler: Der diskrete Charme (mit Patrick Orth)
(7.10.2006)
Valeska Grisebach: Helden des eigenen Lebens
(7.01.2007)
Terry Gilliam: Visionär und Alchemist ...
(7.05.2007)
Hans-Jürgen Syberberg: Höhle der Erinnerung
(10.08.2007)
Hou Hsiou Hsien: Erfahrung vs. Erzählung
(1.10.2007)
Tankred Dorst + Ursula Ehler: Die Stimme des Erzählers
(13.04.2008)
Susanne Lothar + Ulrich Noethen: Gefühle spielen
(2.5.2008)
Götz Spielmann: Stadt und Land
(29.4.2008)
Lav Diaz: Vergehendes Leben
(9.04.2008)
Maren Ade: Kampf um Nähe
(18.11.2009)
Jean-Pierre + Luc Dardenne: Physis, Drama, Märchen
(25.9.2010)
Mia Hansen-Løve: Gefühl und Verstand
(24.03.2011)
Olivier Père: Cinema in Transition / The Festivals

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