Donnerstag, 15. März 2012

ZWISCHENFRAGE



Vielleicht habe ich nicht richtig aufgepasst, damals, im Sozialkunde-Unterricht. Jedenfalls habe ich die folgende Frage: wenn wir Gebühren bezahlen, um dieses Land medial zu versorgen, öffentlich-rechtlich, jenseits von Markt und Staat - wofür es gute Gründe gibt - müsste das Ergebnis dann nicht automatisch in Volksbesitz übergehen? Müssten die riesigen Archive nicht für jedermann zugänglich und die produzierten Bilder und Töne rechtefrei sein? Da haben wir ein demokratisches Alexandria und werden nicht eingelassen...


Christoph

Kommentare:

  1. Ja. Du hast nicht richtig aufgepaßt.

    Nein, es muß nicht automatisch in Volksbesitz übergehen.

    Die für die Produktionen verwendeten Bilder und Töne wurden / werden nicht für eine allgemeine Nutzung angekauft (weil nicht bezahlbar)

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  2. Nicht bezahlbar? Wir sprechen von „Eigenproduktionen” der Sender, ja? Meinst du die Musikrechte?

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  3. "Wir" sprachen nicht von Eigenproduktionen. Es gibt zum großen Teil Auftragsproduktionen.

    In viele Produktionen (Eigen/Auftrag/Kauf) wird Archivmaterial eingeschnitten, daß lizensiert werden muß. Und aus Kostengründen eben nur für diese Produktion und für einen bestimmten Ausstrahlungsrahmen.

    Zudem würden dann vermutlich auch die Beteiligten mehr Geld bekommen wollen (it's capitalism, baby).

    Und dann gibt es noch die Musik.

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  4. Ich weiss von vielen Filmen, die den Sendern „mit Haut uns Haar” gehören, für immer. Das betrifft ja auch Nachrichten, Radio usw. Das mit dem mehr Geld bekommen ist eher theoretisch. Standard ist heute Buy-out und eine umfassende Rechteübertragung, einschliesslich noch zu erfindender Formen der Auswertung. Das gilt auch für die Musik.

    Ich fände es richtig, die Archive weitestgehend öffentlich zu machen, online zu stellen, zur freien Verwendung. Das wäre ein global wirksamer, fast schon revolutionärer Akt: das audiovisuelle Gedächtnis, das sich Deutschland selbst schenkt und als Archiv der Welt zur Verfügung stellt.

    So wie die französische Akademie der Wissenschaften das Patent an der Fotografie verschenkt hat, damals, 1839.

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  5. Passend:
    http://www.mediabiz.de/film/news/bbc-boss-bestaetigt-download-to-own-projekt/317011

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  6. "Standard ist heute Buy-out und eine umfassende Rechteübertragung"

    Das gilt sicher für viele Produkte. Aber gerade wenn Du den Begriff "Film" nimmst, wird es schon mehr als eng. Und bei kleinen Formaten / Magazinen müßtest Du als AutorIn jedes Mal das Einverständnis der Interviewten für eine umfassende Nutzung einholen. Wenn Du wie ich (der u.a. Rechteklärung beruflich betreibt) oft genug Rechteauskünfte mit dem Vermerk "Nur für diese Produktion, kein Abklammern" bekommst, weißt Du, daß das nicht so einfach ist.

    Letztlich ging es mir aber um die ursprüngliche Schlußfolgerung GEZ -> Volkseigentum. Das ist für mich in der Praxis so nicht herleitbar.

    Was ich gern hätte, ist ganz was anderes ("Kraftwerk" höre ich nicht mehr :-) ). Und daß das Leistungsschutzrecht gerade festgekloppt wird, halte ich für eine mittlere geistige Katastrophe.

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  7. Nehmen wir vielleicht einen einfachen Fall: Eine Eigenproduktion nur mit eigenem Material. Das wären zum Beispiel Kommentare in den Tagesthemen, die von Fernsehredakteuren geschrieben und gesprochen werden, von Angestellten aufgenommen, aufgezeichnet und archiviert werden. Wieso kann nicht dieses gesamte Archiv zur Verfügung gestellt werden? Und ich meine nicht nur irgendwo zum Einsehen, sondern auch mit dem Recht, diese Information weiterzuverwenden, zu teilen, zu kombinieren, zu konfrontieren ...
    Ich habe allerdings auch kein Verständnis dafür, dass die Ö-R. sich dem Druck der Zeitungsverlage beugen und künftig größtenteils auf Textbeiträge im Internet verzichten wollen.

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  8. http://www.piratenfraktion-berlin.de/2012/05/21/pm-piratenfraktion-berlin-freier-zugang-zu-offentlich-rechtlichen-inhalten-simon-weis/

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