Dienstag, 30. Oktober 2012

JUST A LITTLE BIT OF CAYENNE

An interview with filmmaker Bradley Rust Gray and his new film “Jack & Diane”, by Gabriela Seidel-Hollaender.

* Your new film is a departure. For a while we are where you left us in your last film ... and suddenly it turns to horror.

For me it’s like making pasta: You put in just a little bit of cayenne. Just enough so you think, when you taste it: “Oh what’s that?”  I think some people came to that really violent scene with the monster and they thought: “Oh finished, I’m gone, before that happens again”. I’d rather have it like that, than people wanting to see a creature film. I hope to win my audience with a love-story.

* What interested you in the creature? The genre?

I first started working on “Jack & Diane” that summer in Berlin (in 2003), when we lived there for a month. My assignment for me back then was to write ten scenes a day. I was trying to write a fiction film like a documentary – the way it is filmed and the way it is written.  I would imagine scenes, what the girls were doing and just write them down. And then I could construct a narrative on whatever happened.  But, I knew the film was about finding love. 
We made “Salt” in a similar way. We shot a lot of footage and cut it down to a smaller film. We followed the actors and shot the scenes like a documentary. I am still really interested in that process and I found out that I couldn’t write without it - to get material down, to help me learn about the characters, what they do, how they speak.  A scene could be one sentence. This is maybe my way of working. 
One day I had this image of the opening of the movie, where Diane walks out in the bathroom of the club and she’s a creature. You know, she’s a sick monster. It was just in my mind and I said: “Oh, that’s it!” 

* It came like that, was suddenly in your mind?

Yes. As I said, it's like cooking.  But this was even more as if something fell in your pot and you taste it and you say: “Oh, what’s that? That makes perfect sense, now I can start writing the script.”
I started writing the script a few days later.  The first part was originally 80 pages until they kiss.  It was very slow. The moments of her coming to the Poster Shop, meeting Jack and going to the club, and then finally getting to kiss each other, were originally 80 pages alone. It was because I described everything: when their hands touch, when they look at each other. The first draft was about 530 pages.  There were a lot of scenes that were interchangeable and switch able. But for this beginning, I don’t know why, this part came out in one chunk. Part of what I was exited about that girl being a creature was that I really felt that it’s inside her, that’s her emotion, it's how she can express herself. 
I was also missing something that was closer to “Salt”. In “Salt” I was exploring this folktale and how it could play in a contemporary narrative. I wanted to do something similar in America. But we don’t have folktales. I still was very interested in magical realism and it occurred to me that genre films are our folk tales. So this was also a way of doing the same thing in America. Especially since my first film was an Icelandic film. And in my first American film I wanted to have subtle references to American cinema that were different than the Nordic experience.

*Between “Salt” and “Jack & Diane” you made “The Exploding Girl”. Why is “Jack & Diane” your second film? 

I wrote “Jack & Diane” as my second film, but it took so long to make that I ended up working on “The Exploding Girl” in the interim.  The script and style for “The Exploding Girl”, came after “Jack & Diane”. It was a study on Hou Hsiao-Hsien and his film Café Lumière”. It was like me learning him, like a course on the framings percept by his style, like an exercise.

* There are elements in “The Exploding Girl” that are similar to “Jack & Diane”, especially the way the girls are acting. It seems to be very natural. Was there space for improvisation also in the dialogues or was it all scripted?

Montag, 29. Oktober 2012

HANS WERNER HENZE (1926-2012)




Hans Werner Henze ist tot. Sein Werk hat einen wichtigen Platz in der Geschichte der neuen Musik. Weniger bekannt ist, dass er für eine Reihe von großartigen Filmmusiken verantwortlich war, für Filme von Alain Resnais und Volker Schlöndorff vor allem; Filmmusiken, die nicht den neu-symphonischen Hirtenhund des Publikums spielen, sondern „aus freien Stücken” dem Bild entgegengehen.

Über die Zusammenarbeit mit Henze bei DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM schreibt Schlöndorff:

„Anders als sonst üblich, begann Henze (...) mit der Komposition schon vor Drehbeginn. Er schrieb ein kleines Thema für Katharina, für den Polizeieinsatz und die Hetzjagd der Presse entwarf er eine wahrhaft gewalttätige Musik. Als der flüchtige Götten im Prolog den Rhein überquert, zitierte er – unter dem Titel DER VERGIFTETE FLUSS – Wagners RHEINGOLD. Beim Verknüpfen dieser Elemente entdeckte Henze einen Fehler im Drehbuch. Er rief mich an und sagte, es fehle eine Szene. Ich verstand nicht, was er meinte. Er sagte, eine Szene, in der die beiden Liebenden, Katharina und Götten, sich noch einmal begegnen. Ich antwortete, eine solche Szene gäbe es bei Böll nicht, sei auch ganz unwahrscheinlich, da beide ja streng isoliert in getrennten Gefängnissen säßen. Das mag schon sein, insistierte Henze, „aber von der Komposition her brauche ich gegen Ende ein Rondo, eine Szene, in der Katharina, der verhaftete Götten und die Staatsmacht – das sind die drei musikalischen Themen – noch einmal aufeinandertreffen“.

Das wäre auch dramaturgisch reizvoll, denn schließlich beginnt die Geschichte mit der Begegnung von Katharina und Götten, es wäre also schön, die beiden am Ende noch einmal zusammen zu sehen. Aber wo und wie sollten die Liebenden sich treffen? Aus der Arbeit bei der Roten Hilfe fiel mir ein Zwischenfall ein: Zwei Gefangene waren – der eine auf dem Weg zum Prozess, die andere beim Abtransport – zufällig aufeinandergestoßen. Den Augenblick der Verblüffung nutzend, hatten sie sich von ihren Wachen losgerissen und sich kurz, aber heftig umarmt.

So verdanken wir Hans Werner Henze nicht nur eine starke Musik, sondern auch einen szenischen Höhepunkt, denn als Schauplatz dieser Umarmung kam natürlich nur die atomsichere Tiefgarage des im Bau befindlichen Bonner Polizeipräsidiums in Frage. Die Aufnahmen in den streng geheimen Kellern fanden glücklicherweise gegen Ende der Dreharbeiten statt, denn durch das große Komparsenaufgebot, das wir dafür benötigten, war die Bonner Polizei auf uns aufmerksam geworden. Wir mussten die Flucht antreten und der Architekt für seine liberale Genehmigung büßen.”

(Eingestellt von Christoph)

FLÜHLINGSLOLLE WAR GESTERN

Der Anstoß, einen Kommentar zu schreiben, gab ein engagierter Artikel von Til Schindler über die ethnische Schauspielerbesetzung im deutschen Theater, Film und Fernsehen. Aber vor allem meine persönliche Erfahrung in dieser Branche zeigt auf, wie die Situation von Schauspieler_innen ist, die nicht dem Aussehen des klassischen Nordeuropäers entsprechen.

Ich bin Evi Rejeki, eine deutsch-indonesische Schauspielerin aus Schleswig-Holstein und werde nur für Klischeerollen angefragt. Woran das liegt? Ganz einfach: Ich stecke noch immer in der diskriminierenden Besetzungskultur fest. Wichtige Caster_innen, die Preise gewonnen haben, rufen an und möchten mich zu einem Casting einladen. Ich würde die Rolle einer Putzfrau etc. spielen, bitte in der Ficki-Ficki Sprache. Bravo! Gewinnt man Preise, wenn man den Klischees nicht widerspricht?

Filmstudenten, die aus dem Ausland, die in einer der besten Filmschulen Deutschlands studieren, bieten mir in ihrem schlechten Deutsch Klischeerollen an. Und ich sage mir, spiel ́s doch selber, du kannst viel besser schlechtes Deutsch sprechen als ich. Meine ehemalige Agentur wäre stinksauer gewesen, wenn ich Einladungen/Rollen für solche Stereotypen abgelehnt hätte. So etwas tut man nicht, erst recht nicht bei wichtigen namhaften Regisseuren und Castern. Lange hat es mich geärgert. Zum ersten Mal habe ich nun bei einer renommierten Casterin auf gut deutsch dankend abgelehnt. Was ist mir dadurch entgangen? Gage? Wichtige Kontakte? Meine Karriere? Möglicherweise. Aber auch ein zweiter Anruf: Noch einmal wird sie mir so eine Rolle nicht anbieten. Die Wahrscheinlichkeit ist sogar sehr hoch, dass sie mich nie wieder anrufen wird.

Fixierungen auf die Hautfarbe und eingefahrene Denkmuster sind immer noch tief in den Köpfen der Verantwortlichen verankert: bei Castern, Regisseuren, Sendern, Redakteuren. Leider sind aus ökonomischen Gründen viele Schauspieler mit und ohne Background dazu gezwungen, diese undankbaren Rollen anzunehmen. Anderenfalls, so lautet die Drohung, mache es ein anderer. Vielleicht sollten all diejenigen, die betroffen sind, mal streiken?
Die deutsche Schauspielerin Pegah Ferydon, iranischer Herkunft (u.a. Zweiohrküken) wurde zehn Jahre lang von ihrer Agentur verdonnert, dass sie so lange Kopftuchrollen zu spielen habe, bis sie berühmt sei. Nun ist sie bekannt, spielt aber immer noch Klischeerollen, siehe "Türkisch für Anfänger". Hilmi Sözer (u.a. Jerichow) deutscher Schauspieler mit türkischer Abstammung, wird wieder und wieder in Stereotypen gesteckt. Selbst in Jerichow durfte er keinen selbstbewussten Protagonisten spielen.

Ja, es gibt sie, die vietnamesischen Zigarettenverkäufer, die türkischen Fieslinge oder die russischen Prostituierten. Aber sie spiegeln nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit wider. Die Realität ist viel differenzierter.

Es wäre zu wünschen, dass Programmchefs ihre Redaktionen motivieren, mehr kulturelle Diversity nebeneinander im Hauptcast zuzulassen. Den Zuschauern kann man das schon zumuten, dass der Arzt von einem Schauspieler mit anderer Hautfarbe und mit akzentfreiem Deutsch gespielt wird.

Ich will die Rolle einer mächtigen Rechtsanwältin spielen oder die einer wortkargen Kommissarin oder die einer korrupten Politikerin. Devot war gestern. Ich kann sogar ziemlich deut(sch)lich: "Ich bin kein schlecht sprechendes Vorurteil, sondern Schauspielerin aus Schleswig-Holstein. Auf allen Ebenen wünsche ich mir Respekt, Toleranz, Wertschätzung und Vielfalt. Und Vielfalt bedeutet Bereicherung und keine Behinderung."

Mit meiner neugegründeten Filmproduktionsfirma werde ich neue deutsche Filme produzieren. Besetzungsmäßig sollen die Filme wie ein Blumenstrauß sein. Ohne, dass der Migrationshintergrund zum Vordergrund gemacht wird. Für neue deutsche Filme. Für mehr Migrantenstadl. Für mehr Flühlingslolle aus Schleswig-Holstein.


Cheers, Evi Rejeki


(Eingestellt von Christoph)

Sonntag, 28. Oktober 2012

'FILM ART' GOES VIDEO



Zurück auf die Schulbank mit Prof. Bordwell. Eines von mehreren sehenswerten Videos, die Aspekte von Bordwell/Thompsons Standardwerk FILM ART: AN INTRODUCTION beleuchten. Mehr dazu hier.

(Eingestellt von Christoph)

Freitag, 26. Oktober 2012

HORIZONTALE

Liebe Fernsehzuschauer,  

am Sonntag wollen wir uns über die Situation der deutschen TV Serie im Rahmen der Werkstattreihe HANDS ON FASSBINDER unterhalten. Das könnte interessant werden, weil wir nicht vorhaben, ein Jammergespräch zu führen, sondern anhand des Rostocker POLIZEIRUFs und anhand von STROMBERG aber auch anhand von anderen Serien und Reihen darüber sprechen wollen, was wie warum funktioniert in Deutschland und was nicht. Und natürlich soll es auch darum gehen, wie man diese Ansätze ausbauen könnte. Wir werden unsere Gäste dazu befragen: Wie viel Raum gibt es bei der Entwicklung? Wie “horizontal” darf erzählt werden? Wie unsympathisch dürfen Figuren sein im deutschen Fernsehen? Wie viel Plot braucht eine einzelne Folge? Wie geht man mit den tollen Vorbildern um?

Wir freuen uns auf ein lebendiges Gespräch.
 
Daniela Mussgiller (Redaktion NDR)
Eoin Moore (Regisseur)
Iris Kiefer (Produzentin filmpool)
alle drei am Rostocker POLIZEIRUF beteiligt, sowie 
Ekkehard Knörer (Filmkritiker und Autor)
Klaus Wolfertstetter (Autor für Film und TV Serie) 

Ralf Husmann (Autor/STROMBERG) musste leider kurzfristig absagen. Ob Arne Feldhusen,der bei STROMBERG und TATORTREINIGER Regie macht, kommen kann, ist noch nicht klar. 
Fest zugesagt hat aber Benjamin Ikes (Cutter), der für beide Serien schneidet. Und natürlich ist das Gespräch offen für alle, die mitdiskutieren wollen.

Ich werde mitfragen und moderieren und freue mich, wenn Ihr kommt.
Franz

Alle genaueren Daten findet Ihr auf der Web Seite www.handsonfassbinder.de.

KEEP THE LIGHTS ON

Filmempfehlung! Seit gestern ist Ira Sachs neustes Werk in folgenden Kinos zu sehen. Zu Heft Revolver 26 steuerte der Regisseur von FORTY SHADES OF BLUE und THE DELTA ein persönliches Manifest bei. 



 (Eingestellt von Nicolas)