Montag, 9. Februar 2015

WOCHE DER KRITIK - TAG 4


Auch die Woche der Filmkritik hat nur sieben Tage. Warum einer an diese in China erfolgreichste Fortsetzungsliebeskomödie  
"Don´t go breaking my heart" von Jonnie To
vergeben wird?

Andere Filme aus China sind vielleicht über Mädchen, die 12 Stunden in einer Textilfabrik arbeiten und heimlich einen weiten staubigen Weg ins nächste Kino gehen.

Ich weiss, was diese dort an "Don´t go breaking my heart" Mädchen mögen. Frauen sind  handelnde Hauptpersonen, fahren also zum Beispiel zusammen in ihren eigenen Ferraris herum. Sie haben Berufe, Spass, wählen unter mehreren Männern abwechselnd einen aus, der die grossen, weissen Ferraris der Frauen einparken darf. Sie sind Chefs und miteinander befreundet. Sie verzeihen sich, sind solidarisch, auch wenn sie was mit dem selben Typ hatten. Am Ende müssen sie nicht mal heiraten, sondern sie fliehen mit neuen, alten Männern in unterschiedliche Richtungen. Wasser und Himmel kommen vor. Fortsetzung folgt.

Die Diskussion
Die einfach wirklich schöne und schlaue Kritikerin von Variety beginnt einen Satz mit: “If you see it from the gender point of view.” Es ist völlig unmöglich, eine Blockbuster Liebesgeschichte nicht unter dem “Gender point of View” zu sehen.
Hier geht es wie woanders darum, klugen Mädchen, die selbst Chef sein und auf dem Finanzmarkt (oder sonstwo) selbstständig eine grosse Nummer sind oder sein wollen, mit Gitzerkleidern, dem Erraten ihrer Lieblingslieder oder ähnlichem Zeug dazu zu bringen zu heiraten. Das ist in diesem Film total lustig, weil die asiatischen Frauen die Männer wie im wirklichen Leben ständig vertauschen. Wen sie heiraten, ist nämlich in diesem Kontext egal.
So verschieden sind wir auf diesem Planeten auch wieder nicht. Die amerikanischen Datingrituale sind mindestens so “childish” wie das Erraten von Liedern, die jemand betrunken singt. Zusammen Fußball gucken und dabei Oktopusse retten. Das sind doch nette, romantische Ideen. Der Anrufstress in amerikanischen Filmen auch nicht besser.
“They never had real sex!” sagt die amerikanische Kritikerin. Sie sagt das als Kritikpunkt. Aber so wie der “Gender Point of View” eigentlich immer, präsent, ist “real” (wow) Sex in Filmen eben nicht präsent. Sie meint das natürlich anders. Dass aber gerade hier kein Versuch unternommen wird, "real Sex" zu bauen, dafür bin ich Gott dankbar. (Kondome werden außerdem nach Farben/Größen sortiert. Ich finde das realistisch genug.) Gesellschaften und Körper sind ausreichend durch Productplacement vereint. Dreimal: “Du solltest mehr Jogurt trinken!” Ich dachte an einen Witz und wäre ohne die eingeladene, chinesische Filmkritikerin nicht drauf gekommen.
Ich war nie in China, in Vietnam wimmelt es allerdings nur so von selbstständigen, klugen Frauen. Männer kriegen von ihnen lieber gar kein Geld in die Hand, trinken Bier oder schlafen. Die älteren Frauen sagen warnend zu den Mädchen: “Heirate nicht zu früh.”
Wie in Deutschland damals meine Tante zu mir.

Am nächsten Abend der Woche der Kritik wird ein Film über einen jungen Poeten, dem nichts einfällt, gezeigt. Wie wäre es mit: Verlieben, Regieassistent für eine kluge Freundin werden, ihre Lieblingslieder nach dichten?
“Jedes (asiatische) Mädchen ein Tigerstaat für sich.”


Natürlich ist es interessant und aufregend, Hong Kong Blockbuster zu sehen und darüber zu reden, aber wo gleichzeitig Filme wie …(setz ein was du willst...z.b. Black President oder Flotel) laufen?
Ich wäre da allein nie hingegangen und es war doch sehr spannend!
Danke

Katrin Eissing

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