Donnerstag, 12. Februar 2015

WOCHE DER KRITIK - TAG 6

Revivre!
Status
Der Film "Revivre" ist erst einmal: grandios geschnitten. Bild für Bild und dramaturgisch präzise. Die Geschichte springt in den unterschiedlichsten Zeiten hin und her und wird dabei umfassend erzählt. Gradlinige, schlichte wunderbar konventionelle Kamera.
Der Mann kann nicht pinkeln, die Frau ist schwer krank, wird von ihm gepflegt und kackt unkontrolliert, für einen Film sehr viel. Bzw das wird eben auch gezeigt. Er hat einen Urinbeutel am Bein, der geleert werden muss und wechselt ihre Windeln. Diese am Körper vollzogenen Tätigkeiten haben weniger mit Liebe zu tun, als mit Erschöpfung. Dann hat der mittelalte  Mann natürlicherweise auch erotische Interessen und Liebesfantasieen. Er kann ihnen nicht nachgehen. Was ich etwas eitel finde. Am Schluss lässt er den Hund töten, damit der „als Mensch wiedergeboren wird.“ Das war die Hoffnung seiner nun verstorbenen Frau.
Das ist alles: grundehrlich, mutig und in diesem Alter einfach auch ein angesagtes Thema. 102 ter Film eines Achtzigjährigen: Im Kwon-Taek, aus Korea.

In einem Land in dem auf Flughafentoiletten Wagen mit 12 verschiedenen Reinigern, vielfarbigen Wischlappen, chromglänzend und immer mit jemandem in Staubmaske daneben, am Eingang stehen; wo während des Urinierens klassische Musik erschallt, gibt es sicher differenziertere Worte als Pissen/Urinieren/kacken. Ich weiss hier und jetzt keine.

In Seoul gelandet, ging ich aus dem Flughafengebäude. Der Morgen brach an und ich roch das Meer. Ich hatte 9 Stunden Aufenthalt. Ein Mädchen in einem Kiosk gab mir einen mit Zeichen bedeckten Zettel und zeigte auf die Bushaltestelle. Ein Busfahrer fuhr mich dann in sanften Schwüngen durch kleine Dörfer an einen felsigen Strand voller Zelte, leerer Flaschen, fremder Muscheln und Fischrestaurants. Außer unglaublich vielen Müllsammlerinnen mit Handschuhen und Staubmasken, aber nur um das Flughafengelände herum, dem Busfahrer und mir auf unserer gemeinsamen Reise zwischen Zeiten, schliefen alle. Es war Ebbe. Ich machte dann komische kleine Filme von schwarzen Felsen im grauen Watt. Die Wellen kamen immer näher, die Menschen aus ihren Zelten. Die Welt erwachte. keiner sprach englisch. ich versuchte es auch nicht. Ein, in einem der Zelte lebendes Mädchen, sagte etwas, dass ich nicht verstand. Vielleicht sollte ich noch einmal dorthin zurück.

Die Diskussion war ganz toll, weil das Ehepaar Gregor Würde ausstrahlt und dies Thema: STATUS die beiden völlig ungerührt liess.
Ja, das Beste sei, das zu machen was man wirklich will.

Darauf jetzt ein Bild meiner Katze


Katrin Eissing



Kommentare:

  1. Hätte ich nicht schöner beschreiben können, Katrin. Ich habe nur eine Ergänzung, weil es doch eine Äußerung zum Thema Status gab, ich glaube von Ulrich Gregor: Status bekommt man vielleicht am ehesten, wenn man sich nicht drum schert.
    Danke für den schönen Abend und für den brettharten, aber tollen Film über eine asymmetrische ältere Liebe, Ihr Filmaktivisten. Eine schönere Antwort auf den romantischen, regressiven Kitsch von L'Amour kann man nicht geben. Das würde sich noch nicht mal Louis C. K. trauen ;-)
    Franz

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    1. blöde Formulierung der erste Satz: Natürlich hätte ich das nicht schöner beschreiben können. Ich wollte sagen, so schön hätte ich das nicht beschreiben können. Danke für den Text.
      F

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  2. Und ich fand das erste Katzenfoto besser: Musste lachen. F

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