Mittwoch, 11. Februar 2015

WOCHE DER KRITIK - TAG 5


Zwei Filme und eine ehrlich verwirrte Diskussion. Anlauf nehmen vor dem Sprung. 

Von oben fallen Sachen ins Bild, wie in einem zu kleinen Theater. Die Fassaden, Hausfassaden im Wedding, die alles sind, was wir zu sehen bekommen, sind auf ähnliche Weise schrottig schön in:
"Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande" von Youdid Kahveci 
 wie die Wände in Séte, der Stadt am Mittelmeer, vor denen der Junge Poet Remi im zweiten Film:
 *Un jeune poète* von Damien Manivel
herum tappst. Er ist auf der Suche nach Inspiration. Die Farbstimmungen beider Filme sind sehr bewusst ausgewählt und sehr verschieden.
Remi zweifelt unter Blau und Sonnenschein. Die Frau, Rabena, angeblich auf dem Weg zu ihrer eigenen Hochzeit, steht im Berliner Regen mit dichten, starken Farben. In das Rauschen hinein gesprochenen Sätze, die Off-Texte und gelbe Untertitel ergeben eine dauernde poetische Sprachcollage: Kind of strange female Flaneur- ich verliere Kontrolle- wenn der Zweifel aufhört? Immer wieder taucht ein kleines Mädchen auf, Zeit wird durchsichtig. Charmante Schirme überall. Detlef Kuhlbrodt, Berliner Flaneur steht kurz unter einem.
Remi, die "reale" Hauptperson in *Un jeune poète*, gibt seine Gedichte, seine Angst vor der Zukunft, einfach sehr viel von sich preis. Wie graziös und geschickt die dunkle Frau in der Billiardbar tanzt! Zum Schluss wird klar, dass der Film ein Dokumentarfilm ist. Und was zum Beispiel diese Frau in der Bar uns geschenkt hat. Schade, dass wir Zuschauer jetzt die dunstige Peinlichkeit, die der verzweifelte „junge Poet” als unsere eigene aufrührte, emotional ökonomisch auf ihn zurückschieben können. Die Einstellungen in beiden Filmen sind ausgewogen schön... bedächtig schön. 
Anlauf nehmen vor dem Sprung aus einer langen Pubertät heraus...

Ein natürliches Thema für junge Filmemacherinnen meint Dana Linssen.
Provokation als Themensetzung finden alle Teilnehmer und das Publikum erst einmal, besonders angesichts der zwei schönen Filme, eher nervig. 
Es wird dann aber die beste Diskussion der Woche bisher (finde ich!) Konfus, offen, naiv. 
z.B.:
Weinen im Kino“ Kafka
Ästhetik als Weg zu lernen, die Welt besser zu verstehen.
Brief an einen jungen Dichter von Rilke
Künstlertum, Intuition, stay true to your feelings, don´t be so naiv! I wish I could!, Buissnes Mainstream, Antithesis, Irakian Odysse, mich interessiert nur die Revolution (hui), Film als Berührung.

Provokation heisst: "Für etwas sprechen" nicht "Gegen etwas sein".

Am Morgen
Vor mir läuft ein Kind mit Schulmappe auf dem Rücken, in dem ein grosses Schwert steckt, es hat ein Buch unter dem Arm mit der Aufschrift: “Ritter“.
Ich bin auf dem Weg zu einer Trauerfeier für einen sehr jungen Mann, Freund meiner Kinder. War der Anlauf zu kurz gewesen?
Es war der Morgen, an dem sie mit dem Schwert zur Schule ging...“

Hallo Remi,
Auch viele Filme gucken, darüber schreiben und endlos Quatschen hilft nicht.
Weinen nützt manchmal, oft auch nicht. Dichten nützt. Der Versuch schon. Wenn nicht dir, dann uns Anderen (wie du siehst). Geschichten und blöde Gedichte schreiben, sie teilen, ist nicht „wichtig“ sondern so etwas wie essen und trinken.  
Grüsse 


Katrin Eissing




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